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Lion's Quest

Bremer Tageszeitungen: Die Norddeutsche, 21.04.2008

Mit einem Teller voll Lob in die Pause
Lions-Quest: Gymnasiasten erlernen Sozialkompetenz

Von unserem Mitarbeiter Georg Jauken

080421wkLionsQuest0202LEMWERDER. Bis zur großen Pause sind es noch 45 Minuten. Auf dem Stundenplan der Klasse 6 steht Anerkennung, genau genommen: Verfügungsstunde. Aber im Gymnasium Lemwerder ist das in diesem Falle das Gleiche, denn die Verfügungsstunden in diesem Halbjahr der Vermittlung von sozialen Kompetenzen.
Es geht also um Anerkennung: Warum soll man jemandem sagen, was man an ihn schätzt? Anna: Damit er sich die guten Eigenschaften nicht wieder abgewöhnt. Und wie geht's einem, wenn jemand seine Fähigkeiten anerkennt? Tim: Ein Glückshormon wird ausgestoßen. Dadurch stärkt sich das Selbstvertrauen.
Frage für Frage erarbeiten sich Klassenlehrerin Beate Meents und ihre Schüler das Thema. Wie verteilt man Lob? Jan: Durch nette Worte. Anna: Durch eine Umarmung. Pascal: Durch Worte, Taten und Gesten. Ist "Du siehst gut aus" auch ein Lob, will Beate Meents wissen. Niklas entdeckt darin zu viel Schleimerei. Beate Meents beharrt auf einer Unterscheidung zwischen Komplimenten und einem schlichten Danke. Jonas schätzt die klaren Aussagen mehr als allgemeines Wohlwollen: "Da weiß ich genau, er meint es ernst." Jana befürchtet, wer übertrieben gelobt wird, dem könnte schon bald eine Gegenleistung abverlangt werden.
Beate Meents unterrichtet normalerweise Mathematik und Physik. Wie ihre Kollegen weiß sie, dass es nicht genügt, sich im Unterricht auf die Vermittlung von Fachwissen zu beschränken. Die Schüler erwarten mehr, schließlich müssen sie nebenher noch erwachsen werden, und da haben sie viele Fragen. Die Pädagogen sind daher in einer Weise gefordert, auf die ihre Lehrerausbildung sie kaum vorbereitet hat. Hier setzt das Lions-Quest-Programm an, ein vom Lions Clubs unterstütztes "Vorsorge-Programm", das Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis 15 Jahren auf die selbstständige Bewältigung jener Aufgaben vorbereitet, die ihnen in ihrer Lebensphase ganz unweigerlich begegnen. Es bietet Jugendlichen praktische Übungsfelder, die Selbstvertrauen sowie eigenverantwortliches Arbeiten fördern und Aggressionen abbauen. Versagen in der Schule, Jugendkriminalität, Gewaltbereitschaft und Missbrauch von Suchtmitteln soll mit Hilfe von sozialer Kompetenz entgegen gewirkt werden.
Toleranz und Achtung anderen Menschen gegenüber, Verantwortung und Engagement für sich und andere gehören zu den Grundwerten, um die es auch in Klasse 6 des Gymnasiums geht und die Beate Meents nicht ohne "einen Teller voll Lob" in die Pause entlassen möchte. Flugs bekommt jeder einen Pappteller auf den Rücken geklebt - Platz für lobende und klare Botschaften: Gut, dass es dich gibt. Du bist eine gute Freundin. Sexy Girl. Du bist cool. Ich finde es toll, wenn du lachst. Wer was aufgeschrieben hat, weiß hinterher niemand. Ein paar Sprüche seien schon grenzwertig, meint Beate Meents. Dennoch kommt sie zu dem Schluss: "Ein Teller voll Lob ist was Feines."
Es war eine gute Stunde. Die Schüler gehen aufgekratzt und zufrieden hinaus. Beate Meents oder auch ihre Kollegin Anne Ahrens-Verbeek und Schulleiterin Marianne Weigel empfinden den Unterricht als Bereicherung. Das Programm wird in allen Jahrgängen durchgeführt. Wie zuvor Beate Meents nehmen derzeit drei Kollegen an einem dreitägigen Einführungsseminar teil, in dem sie Konzept und Material des Programms durch praktische Anwendung kennen lernen, Lerninhalte und -methoden aus der Sicht des Jugendlichen wie auch als Lehrer erproben und diskutieren.
Die Stärkung des jugendlichen Selbstvertrauens ist ihnen den Aufwand wert.

 

Der Anfang ist gemacht

Vom 29. 9. bis zum 2. 10. 2005 haben für die Arbeit an unserem Gymnasium zwei Lehrerinnen am diesjährigen Einführungsseminar „Erwachsen werden“ teilgenommen.

Zusammen mit 26 weiteren Lehrkräften aus Norddeutschland informierten sie sich – auch durch praktisches Tun – über die Inhalte und Möglichkeiten zur schulischen Umsetzung des Lions-Quest Programms „Erwachsen werden“.

Was ist „Erwachsen werden“?

Es handelt sich hierbei um ein Programm, Schülerinnen und Schüler – insbesondere in der Phase der Pubertät - in ihren sozialen Kompetenzen und in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit nachhaltig zu fördern.

Das Programm unterstützt sie dabei, ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikative Kompetenz zu stärken, Kontakte und Beziehungen zu anderen aufzubauen und zu pflegen. Sie lernen mit Konflikt- und Risikosituationen in ihrem Alltag umzugehen und für Probleme, die gerade während der Pubertät gehäuft auftreten, konstruktive Lösungen zu finden.

arbblatt_lionsquest_05Beispielsweise können Schülerinnen und Schüler beim Thema „Hörst du mir überhaupt zu?“ experimentell Signale schlechten Zuhörens persönlich erfahren. Durch Auswertung des Experiments wird ihre Fähigkeit geschärft gut zuzuhören. Sie lernen dabei auch, die Beziehungen zu anderen zu stärken und Vertrauen in andere und sich selbst zu entwickeln.

Die aktuelle Forschung räumt dieser „Lebenzkompetenz-Erziehung“ langfristig die größten Erfolgsaussichten bei der Prävention (selbst-)zerstörerischer Verhaltensweisen ein.

Was ist Lions-Quest?

Lions-Quest ist der Name für ein gemeinsames Projekt von Lions Clubs International und Quest International, einer in den USA beheimateten gemeinnützigen Stiftung. So entwickelte Quest International seit 1974 Programme und Materialien für den Unterricht, die Schülerinnen und Schülern helfen, sich auf die unterschiedlichen Ansprüche der Gesellschaft  vorzubereiten. Damit „Erwachsen werden“ erfolgreich in Schulen umgesetzt werden kann, organisieren und finanzieren örtliche Lions Clubs Kurse für die Qualifizierung von Lehrkräften. So haben für das Gymnasium Lemwerder die Lions Clubs in Brake und Nordenham in diesem Jahr das Sponsoring übernommen. Die dreitägige Schulung wurde durch den Lions Club Rastede organisiert.

Mehr Informationen über Lions-Quest finden Sie unter http://www.lions-quest.de

Allen, die dem Gymnasium Lemwerder die überaus kurzfristige Teilnahme am Einführungsseminar ermöglicht haben, danken wir an dieser Stelle ganz herzlich!

 

im Schuljahr 10/11 seit 04. August 2010

im Vergleich:
38.208 Besucher im Schuljahr 2008/09
60.512 Besucher im Schuljahr 2009/10

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