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Neben dem neusprachlichen Unterricht ist am Gymnasium Lemwerder der altsprachliche Unterricht mit dem Fach Latein vertreten.
Im Unterschied zu den modernen Fremdsprachen handelt es sich bei den „alten“ Sprachen Latein und Griechisch um Bildungssprachen: Ziel ist es nicht, lateinisch zu sprechen, sondern Latein begegnet den Schülern in erster Linie als Reflexionssprache.
Viele gute Gründe, Latein zu lernen
1. Latein ist die Basissprache Europas und damit Sprungbrett für den Erwerb weiterer Fremdsprachen. Latein ist nicht einfach irgendeine Sprache, sondern es ist so etwas wie Sprache an sich, die Stammzelle aller Varianten, die Mustersammlung aller Sprachregeln, die konstitutiv geworden sind nicht nur für die romanischen Sprachen (spanisch, französisch, italienisch, portugiesisch), sondern auch für das Deutsche und das Englische, in dem weit über die Hälfte aller Wörter lateinischen Ursprungs sind.
Auf der Grundlage von Latein lernt jeder moderne Fremdsprachen leichter und in kürzerer Zeit. Latein ist also kein Umweg, sondern der kürzeste Weg zum Erlernen weiterer Fremdsprachen.
2. Latein trainiert in hohem Maße Schlüsselkompetenzen: Es kommt nicht im Outfit unseres Unterhaltungs- und Medienzeitalters daher. Zwar hält es spannende Inhalte, hochkarätige Texte und innovative, schülerorientierte Methoden bereit, doch verlangt es von den jungen Menschen, genau hinzusehen, exakt zu unterscheiden, richtig zu kombinieren und nicht zuletzt: sorgfältig und regelmäßig zu lernen. In einer Sprache, in der jeder Buchstabe den Sinn eines Wortes und damit Satzes wesentlich verändern kann, wird der Schüler darauf trainiert, gründlich zu lesen.
Laut einer Untersuchung des Kölner Philologen Wolfgang Dieter Lebek verstehen Studenten mit Latinum deutsche Texte besser als ihre Kommilitonen ohne diese Qualifikation (http://www.forum-classicum.de/artikel204lebekfuhrmann.htm#lebek).
3. Wir alle sprechen täglich Latein. Natürlich kann man auch ohne Lateinkenntnisse lernen, mit Fremdwörtern umzugehen, doch können wir Fremdwörter und Lehnwörter in der deutschen Sprache sowie Fachbegriffe aus den verschiedenen Bereichen der Wissenschaft und Technik verstehen, wenn wir die lateinischen Wurzeln kennen und müssen sie nicht auswendig lernen.
4. Lateinunterricht fördert verstärkt eine Kompetenz in der deutschen Sprache. Das fundierte Erlernen der lateinischen Sprache, insbesondere ihrer systematischen Satz- und Formenlehre, ermöglicht den besten Zugang zur Grammatik der deutschen Muttersprache. Wie wir oben gesehen haben, hat zudem der größte Teil des Fremd- und Fachwortschatzes der deutschen Sprache lateinische Wurzeln.
Durch die ständige Notwendigkeit, beim Übersetzen der lateinischen Texte nach passenden deutschen Ausdrücken zu suchen, wird zudem das Ausdrucksvermögen in der deutschen Sprache gefördert.
5. Die Beschäftigung mit Geschichte, Kunst und Philosophie der Antike bedeutet eine Beschäftigung mit den Wurzeln unserer heutigen europäischen Kultur. Nicht nur das sprachliche Fundament eint unseren Kontinent: Römische Architektur, römisches Rechtsdenken, römische Lebensart, antike literarische Stoffe und Motive prägen unsere Gegenwart. Im Lateinunterricht kann man erkennen, wo wir Europäer herkommen und was uns bis heute verbindet.
Abb. mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Altphilologenverbandes http://www.altesprachen.de
6. Die Auseinandersetzung mit Grundfragen der menschlichen Existenz trägt zur Orientierung und zur Ausbildung eines eigenen Standpunktes bei. Der Lateinunterricht beinhaltet ein breites Spektrum von Unterrichtsinhalten: Themen der Philosophie, der Rhetorik, der Geschichtsschreibung, des römischen Alltags. Durch den ständigen Vergleich mit der Gegenwart gibt der Unterricht Impulse zur Auseinandersetzung mit vertrauten Werten und Gewohnheiten und fordert zur Stellungnahme gegenüber fremden Ideen auf.
7. Lateinunterricht macht Spaß! Mit der „Actio“ haben wir ein modernes Lehrwerk an unserem Gymnasium eingeführt, das spannende Texte, spielerische Übungen, Anekdoten und Rätsel bereit hält. Es wird gezeichnet, Theater gespielt, und für die, die es wollen, ermöglicht die zum Lehrbuch erhältliche CD-Rom ein computergestütztes Lernen. Zudem nutzt der Lateinunterricht die vielfältigen Möglichkeiten der modernen Didaktik und Methodik und vermittelt lateinische Sprache und römische Kultur in lebendiger Weise.
8. Latein ist nicht schwerer als andere Fächer. Latein haftet das Vorurteil an, dass es besonders schwer sei: Vokabeln und Grammatik müssen jedoch für jede Fremdsprache gelernt werden! In mancher Hinsicht ist Latein sogar einfacher zu lernen als andere Fremdsprachen: Die Aussprache ist sehr einfach, es wird kein aktives Sprechen verlangt und die Unterrichtssprache im Lateinunterricht ist deutsch.
9. Lateinkenntnisse sind an vielen Hochschulen und Universitäten der Bundesrepublik (sowie an einigen ausländischen Universitäten) Voraussetzung für das Studium bestimmter Fächer. Das Latinum an der Universität nachzuholen, kostet wertvolle Studienzeit. Die Bestimmungen über nachzuweisende Lateinkenntnisse unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland und von Universität zu Universität. Einen Überblick können Sie hier finden: http://www.altphilologenverband.de/framesetlatein.html
Und wissenswert ist auch:
Eine Umfrage unter den Führungskräften der deutschen Wirtschaft brachte im Jahr 2001 folgende Ergebnisse zutage:
- 84,6 Prozent aller Führungskräfte (Angabe: Institut der deutschen Wirtschaft), die zu Schulzeiten Latein gelernt haben, empfanden es im Nachhinein als „hilfreich“.
- Von den Nicht-Lateinern in Führungspositionen hatten 56 % das Gefühl, etwas verpasst zu haben.
- Bei der Beschäftigung mit Kunst, Literatur und Geschichte empfanden sich 39 % ohne Latein als unzureichend gebildet.
(Lebek, W. D.: Die Führungskräfte der Wirtschaft und das Latein. Eine spektakuläre Umfrage in der Wirtschaft. In: Forschung & Lehre 2001, H. 12, S. 657-659)
Welches Kind sollte Latein lernen?
Die erste Antwort lautet: Möglichst jedes, um das oben beschriebene Wissensfundament und eine solide Denkschulung zu erhalten. Da dies in der Praxis nicht möglich sein wird, muss etwas differenziert werden:
Latein sollten vor allem Kinder lernen, die nach ihrem eigenen und dem Willen der Eltern das Abitur machen wollen, das heißt die gymnasiale Zeit als Basis für ein Hochschulstudium nutzen wollen. Kinder, die am Ende der Klasse 5 in den Kernfächern die Noten 1, 2 oder 3 haben, schaffen in der Regel das Abitur. Ihnen kann man besonders zu Latein raten.
Das Kind sollte begabt sein in dem Sinne, dass es leistungs- und lernbereit ist. Die Schwierigkeiten des Lateinischen liegen nicht in den späteren, sondern in den ersten Jahren.
Das Kind braucht Ausdauer und Frustrationstoleranz. Kinder, die wenig Ausdauer beim Lernen zeigen und sich nicht konzentrieren können, werden es mit Latein nicht leicht haben.
Besondere Freude an Latein werden haben:
Kinder, die eine Sache immer ganz genau wissen wollen
Kinder, die auch mal umfangreichere Bücher lesen wie „Harry Potter“, „Der Herr der Ringe“ etc.
Kinder, die Freude an Denkspielen, Puzzles oder Schach haben (oft sind das auch die Kinder, die sich besonders für Mathematik und die Naturwissenschaften interessieren)
Kinder, die Sinn für Ordnungen und Systeme (Sammlungen) haben
Kinder, die gut nachdenken können und wollen, die aber vielleicht noch nicht so redegewandt und sicher in der Rechtschreibung sind
Kinder, die nicht ungern auch mal alleine sind, die dann nicht sofort am Fernseher oder an Computerspielen sitzen, die sich sinnvoll mit sich selbst beschäftigen können
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